und was machen sie hauptberuflich?

2002: das erste anekdotenbuch

UND WAS MACHEN SIE HAUPTBERUFLICH? amüsantes rund um den chor der wiener staatsoper, erzählt von wolfgang equiluz. (amalthea verlag wien ISBN 3-85002-497-0, 96 seiten) mit einem vorwort von otto schenk und illustrationen von gerard hoffnung.

herbert von karajans "doggen-palast", otto schenks "fenstersprung" oder luciano pavarottis "fernduell" sind nur drei beispiele von mehr als fünfzig aus dieser sammlung witziger begebenheiten. wolfgang equiluz beschreibt nie den kulturalltag, sondern stets die humorvollen seiten aus dem leben eines sängers des wiener staatsopernchores.

(offizielle buchbeschreibung des verlages)
amalthea verlag wien ► (externer link)

nach zwei auflagen im buchhandel (wo es sogar einen platz unter den top-ten österreichs erreichte) ist dieses buch zur zeit leider vergriffen, aber manchmal bei amazon als gebrauchtes exemplar erhältlich (siehe den link in der rechten spalte).

aus dem vorwort von otto schenk

...was mir beim sprechtheater immer abging war die masse, die anonyme gefühle persönlich werden läßt. im gegensatz zum schauspiel hat die oper den vorteil, einen chor zu haben, der genau dieses vakuum füllt und im unterschied zu den solisten das schicksal der massen darstellen kann...

...der chor der wiener staatsoper war einer der ersten, mit denen ich als junger regisseur bekanntschaft machte. ich empfand ihn von anfang an als eigenes wesen, als weiteren star auf der bühne neben den solisten. das, was den wiener chor vielleicht von anderen chören hervorhebt, ist eine diebische freude am komödiantentum, am kreieren von bühnencharakteren. es herrschte die gleiche wellenlänge zwischen dem chor und mir, denn beide liebten wir es, uns theatralisch miteinander zu verständigen - oft genügte die andeutung einer geste, um die kreativität des chores in gang zu setzen...

...ich möchte mich an dieser stelle bei "meinem" staatsopernchor bedanken. ich kann ohne einschränkungen sagen, dass ich meine größten erfolge als regisseur diesem chor verdanke - seinem können, seiner leidenschaft und seinem humor...

zwei kurze leseproben

EINE BERECHTIGTE FRAGE an mitglieder des staatsopernchores werden immer wieder kleine soli vergeben. manchmal sind das aber nicht gesungene, sondern "nur" gesprochene rollen. so auch in einer zauberflöten- inszenierung, bei der ein chorherr an tamino einige worte zu richten hatte. nun sang bei einer vorstellung ein junger tenor den tamino zum ersten mal an der wiener staatsoper. wahrscheinlich gerade deswegen besonders nervös, war seine leistung alles andere als staatsopernreif, was unseren kollegen zu einer anderen textvariante inspirierte. statt: "was treibt dich an in unsere mauern zu dringen?" fragte er tamino, in anspielung auf dessen sangeskunst: "was treibt dich an in unseren mauern zu singen?", was die nervosität des jungen mannes sicher nicht gemindert haben dürfte.

FACHCHINESISCH
manche musikalischen anweisungen des chorleiters sind, aus dem zusammenhang gerissen, für aussenstehende völlig mißverständlich. zum beispiel klingt der wunsch an den damenchor, einen begleit- ton so lange zu singen bis der herrenchor mit der melodie zu ende ist, etwa so: "die damen bleiben bitte so lange liegen, bis die herren darüber fertig sind." was sich also für den ahnungslosen zuhörer vielleicht eher nach sexueller belästigung am arbeitsplatz anhört, entpuppt sich in wahrheit als unverfängliche musikalische feinarbeit.